Dienstag, 11. September 2012

[R] Wasser für die Elefanten - Sara Gruen

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Wasser für die Elefanten von Sara Gruen
Taschenbuch, 416 Seiten
9,99 €[D]
rororo
ISBN: 978-3-499-24845-0







Das schwierigste Kunststück: die Liebe zu finden.
Amerika 1931, die Wirtschaftskrise hat das Land fest im Griff. Da kann der junge Tierarzt Jacob Jankowski von Glück reden, als ihm ein Job beim Zirkus angeboten wird. Auch wenn es ein sehr bescheidener Zirkus ist: Nicht einmal einen Elefanten gibt es. Dafür eine wunderschöne Kunstreiterin. Doch Marlena ist verheiratet mit dem wahnsinnigen Dompteur. Irgendwann findet sich doch eine, wenn auch sehr eigensinnige Elefantendame. Keiner kann mit Rosie umgehen – bis Jacob ihr Geheimnis enthüllt. Und als sich gerade alles zum Guten zu wenden scheint, nimmt eine Tragödie ihren Lauf ...







"Wasser für die Elefanten" erzählt am Ende einer Geschichte den Anfang eines Lebens mit ganz viel Platz für Gefühl im selten angesprochenem Mittelteil des Lebens von Jacob Jankowski, Marlena und der Elefantendame Rosie.
Jacob Jankowski ist 93 Jahre alt, lebt in einem Seniorenheim und kann sich mit dem Alter nur sehr schwer abfinden. Mit viel Humor und Kritik am Leben erzählt uns Mr. Jankowski aus seinem Leben - aus seinem Leben als 93 jähriger Mann und aus seinem Leben als junger Tierarzt beim Zirkus. Beide Perspektiven sind in der Gegenwart geschrieben, sodass man immer Mitten drin anstatt nur dabei ist. 
An den Kapiteln des jungen Jacob Jankowski werden vorallem die Leser große Freude haben, die dazu in der Lage sind, sich das geschriebene Wort bildlich vorzustellen.  Denn dann bekommt man eine bunt-schattige Zirkuswelt, die sehr detailliert beschrieben wird und sich definitiv für ein großes Kopfkino eignet.  Mir, als jemand der sich beim Lesen nur selten etwas bidlich vorstellt, hat in diesem Kapiteln leider das Feeling gefehlt. So waren die Kapitel von Jacob für mich eher das Mittel zum Zweck, um wieder etwas von Mr Jankowski zu lesen, den ich alleine wegen seines großartigen Humors knutschen könnte.  

Das wirklich schöne an diesem Buch ist, dass die eigentliche Geschichte von Jacob Jankowski und seiner Marlena überhaupt nicht erzählt wird. Die Geschichte von Jacob endet als die Lebensgeschichte der beiden anfängt, und die Geschichte von Mr. Jankowski beginnt als seine große Liebe bereits das zeitliche gesegnet hat. Trotzdem bekommt man während des Lesens so viel Gefühl für diese nicht beschriebene Zeit vermittelt, dass man sie komplett damit füllen kann. 
Neben Jacob und Marlena kann "Wasser für die Elefanten" mit einer ganzen Reihe von einzigartigen Charakteren auftrumpfen, die liebevoll von Sara Gruen ausgearbeitet wurden.
Onkel Al - leicht verrückter Zirkusdirektor, der aus voller Leidenschaft Kuriositäten sammelt und dabei wahrscheinlich selbst seine größte Kuriosität ist. Kinko, der kleinwüchsige Clown mit der Schnautze eines Riesen und dem Herz eines Blauwals.  Eine liebevolle Krankenschwester, die sich von Mr. Jankowski erziehen lässt. Rosie - eine missverstandene Elefantendame mit dem Schalk im Nacken. Und August der wahnsinnige Dompteur, bei dem man nie so genau weiß woran man eigentlich gerade ist.

Nach ca. 2/3 des Buches begann dann bei mir das große Zittern. Zwischenzeitlich wollte ich gar nicht weiter lesen, soviel Angst hatte ich vor dem Ende, welches sich in eine Richtung zu entwickeln schien, die mir überhaupt nicht gefallen hat. Am Ende hat das Ende all meine Erwartungen für Mr. Jankowski übertroffen, um den ich zwischenzeitlich wirklich gebangt habe.  Aber in diesem Fall gilt eindeutig: Ende gut, alles gut ;-)

Außerdem möchte ich noch hinzufügen, dass es sich definitiv lohnt die Anmerkungen der Autorin zu lesen, die dem Ende des Buches beigefügt sind. Hier gibt es einen kurzen Einblick in die Recherchearbeit und Hintergrundinformationen zu einigen Themen, die in dem Buch behandelt werden. 


Fazit/Wertung

Sara Gruen hat mit "Wasser für die Elefanten" eine Geschichte geschaffen, deren gefühlvolles Ende für Alles entschädigt. Der Leser bekommt hier eine quietschbunte Zirkuswelt mit all ihren Schattenseiten, viel Stoff zum Nachdenken wenn es um das menschliche und tierische Miteinander geht, eine Liebesgeschichte die ohne Kitsch auskommt und viel Tiefgründigkeit, die gekonnt zwischen bunten Zirkuszelten und wilden Tieren versteckt ist.
Ein fantastisches Kuriositätenkabinett, das einem am Ende ein Lächeln auf die Lippen zaubert.



4/5

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